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 Draußen vor der Tür  Wolfgang Borchert
 Inszenierung Christoph Diem / Saarländisches Staatstheater 2011
Frankfurter Allgemeinen Zeitung | 19. Januar 2011
 Unser Krieg ist wieder da  
  von Dieter Bartetzko
"... Und das Brüllen wächst und rollt, wächst und rollt“ heißt es, wenn Beckmann von den Tausenden Toten berichtet, die ihn heimsuchen. Regisseur Christoph Diem hat der Versuchung widerstanden, brüllen zu lassen. So kann Andreas Anke statt eines lamentierenden Hiob einen bis zum Wahnsinn verstörten Mann zeigen, der nicht an Selbstgerechtigkeit oder -mitleid zugrunde geht, nicht rechtet und richtet, sondern verzweifelt wieder dazugehören will.

Schreie und Wimmern brechen aus ihm heraus, wenn er die Qual der Erinnerung nicht mehr erträgt, über das Menschenmögliche hinaus leidet, weil ihm fehlt, was die anderen „drinnen“ im Übermaß haben: die Gabe zu vergessen. Dann fahren Borcherts Sätze und Bilder wie Äxte in unsere Ruhe. Und wenn dieser Beckmann ungläubig staunend vom Massensterben erzählt, klingen einem die fassungslosen Sätze der nach Afghanistan geschickten Bundeswehrsoldaten im Ohr....."
Saarbrücker Zeitung | 17. Januar 2011
    von Christoph Schreiner
"...Mit Beckmann steht und fällt ein solcher Abend. Anke aber hat diese von "nasskalten Gespenstern" heimgesuchte Figur so sehr bis in alle Fasern hinein verinnerlicht, dass man sich ihr gar nicht entziehen will. Sein Beckmann ist einer, der überläuft vor Verzweiflung. Sie trieft ihm aus Haar- und Fingerspitzen. So, wie er schnieft, zappelt, spuckt, schreit und daliegt, scheint er nicht mehr Herr seiner selbst. Und doch ist Ankes Beckmann der einzige, der seine innere(n) Stimme(n) hört...."
 Don Carlos  Friedrich Schiller
 Inszenierung Christoph Diem | Saarländischen Staatstheater 2014
  Saarbücker Zeitung | 31. März 2014
 Don Carlos im Wunderland
  von Cathrin Elss-Seringhaus
"...Die Charaktere rotieren in ihrem Psycho-Kerker. Selbst der Staatsmann Philipp II, den Andreas Anke kraftvoll männlich durchglüht und ihn dabei trotzdem eher grüblerisch denn dämonisch zeichnet, agiert unfrei: Jähzorn und Misstrauen beherrschen den Herrscher. ..."
 Blick zurück im Zorn   John Osborne
 Inszenierung Martin Nimtz
| Saarländischen Staatstheater 2013
Nachtkritik.de  |  14.September 2013
"... Jimmy Porter ist alt geworden. Im Saarländischen Staatstheater sieht man das auf den ersten Blick: Andreas Anke gibt den ehedem jungen aggressiven Mann aus John Osbornes "Blick zurück im Zorn" und macht sich erst gar keine Mühe zu verbergen, dass er mittlerweile vier Jahrzehnte lang Teil jenes gesellschaftlichen Schneckenrennens ist, gegen das er auf der Bühne zweieinhalb Stunden lang in der Rolle des Nachwuchsrevoluzzers ankämpft." ... "So werden der körperlich ungemein präsente, mimisch differenziert ausdrucksstarke Andreas Anke und der energetische Robert Prinzler (auch ein Staatstheater-Neuling) als Cliff zum Kraftzentrum der Inszenierung. Sie beweisen, dass der Zorn, den das Produktionsteam in riesigen roten Großbuchstaben protzig wie ein Werbeversprechen über die Bühne gehängt hat, nicht nur eine Showeinlage aus alter Zeit ist. Mit ihrer Hilfe gelingt es Regisseur Martin Nimz, seine Vorlage gehörig zu entstauben. ..."
 Die Kleinbürgerhochzeit   Bertolt Brecht
 Inszennierung Dagmar Schlingmann | Saarländischen Staatstheater 2012
 eine Koproduktion mit dem Theatre National du Luxembourg 
Saarbrücker Zeitung | 3. Dezember 2012
"... Das war die Botschaft des frühen, des exzessiven Brecht, der in seiner „Kleinbürgerhochzeit“ (1919) den Freund des Bräutigams eine vulgäre „Keuschheitsballade“ zu Ehren der Sauerei grölen lässt. Andreas Anke macht das grandios. Hinter der Maske des jovial-schleimigen Salon-Löwen versteckt er eine beängstigende Gewaltbereitschaft. Anke reißt einem Stuhl die Armlehne aus, als drehe er einem Menschen den Arm aus der Schulter. Jawohl, es liegt viel Animalisches und Bestialisches in der Luft. ..."
Bild-Saarland | 3. Dezember 2012
 Von Angie Brinkmann
 Endstation Sehnsucht   Tennesee Williams
 Inszenierung Christoph Diem / am Saarländischen Staatstheater 2011
Saarbrücker Zeitung | 5. September 2012
 Endstation Herzenskälte
  Von SZ-Redakteurin Chatrine Elss-Seringhaus
"... In der Feuerwache trägt Andreas Anke allerdings ein banales hellblaues Langarm-Hemd, wie er insgesamt als Gegenmodell brütend-gefährlichen Sex-Appeals daher kommt. Anke schreit wie ein trotziges, hilfloses Kind nach seiner Stella und rennt wie ein Bulle gegen die Fassade von Blanche an – ein schlecht erzogener Banalo, eine maskuline Leerstelle. Diese Rollen-Zeichnung liegt in Diems Logik: Die erotische Schwüle der 50er Jahre hat er ausgemerzt ..."
 Zur schönen Aussicht  Ödön von Horath
 Inszenierung Wolfram Apprich / am Saarländischen Staatstheater 2010
Saarbrücker Zeitung | 8. Januar 2010
 Geldgier macht lustig
  Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus
"... Beim primitiven Chauffeur Karl (Andreas Anke) bricht sich das Unterbewusste in einer Rülps-Arie Bahn. ..."
 Mann ist Mann  Bertolt Brecht
 Inszenierung Christoph Diem / am Saarländischen Staatstheater 2009
Saarbrücker Zeitung | 12. November 2012
 Der höhere Ernst des Kasperles
  von SZ-Redakteur Christoph Schreiner
"... Und sind nicht die Soldaten - was für ein spielfreudiger Haufen: Andreas Anke (Uria), Johannes Quester (Jesse), Georg Mitterstieler (Polly), Boris Pietsch (Jeraiah) - manchmal zartbesaiteter, ja menschlicher als die berechnende Begbick? ..." 
 Die Räuber Friedrich Schiller
 Inszenierung Bernhard Stengele / am Mainfrankentheater Würzburg 2008
 Main-Echo | 14.10.2008
"... so beängstigend natürlich wie Andreas Anke den wie ein Geschwür auf jedweder Moral juckenden Räuber-Sadisten Spiegelberg, ..."
 Die Katze auf dem heißen Blechdach   Tennesee Williams
 Inszenierung Christoph Diem  / am Mainfrankentheater Würzburg 2008
Main-Echo | Mai 2008
 Leere in größter Dichte
 von Stefan Reis
"... Autor und Regisseur richteten das Rampenlicht auf das Kuriositätenkabinett menschlicher Gesellschaft. Indes: Die verlorenen Seelen auf der Würzburger Bühne - von denen Andreas Anke als Brick das Säufer-Zittern der inneren Zerrissenheit auf erschreckend überzeugende Weise meistert - rühren bei aller Verlogenheit und Skrupellosigkeit zu Mitleid, was wiederum nur das Empfinden eigener Überlegenheit dokumentiert. ..."
 Professor Unrat   Heinrich Mann | John von Düffel
 Inszenierung Franzsiska Schütz | Mainfrankentheater Würzburg 2008
Fränkische Nachrichten, vom 22. Februar 2008
 Frustausbrüche und Brüllattacken
  Von Felix Röttgen
"... Mit Mut und Dreistigkeit kompensiert Andreas Anke als "Kieselack" seine proletarische Herkunft und treibt das Geschehen als Anführer immer schneller voran. ..."
 Unter Tage Sigrid Behrens
 Inszenierung Nada Kokotovic / am Mainfrankentheater Würzburg 2008
Main-Echo | November 2008
 Kumpel - Haft
 von Stefan Reis
"... Die erschreckende Faszination dieser Inszenierung gründet sich auf der Leichtigkeit mit der Anke, Müller-Beck, Higer und Forester Stollen in Erwartungshaltungen (individuell wie gesellschaftspolitisch) treiben, Hoffnungen (individuell, beim Betrachten des Spiels) wegsprengen und Resignation (gesellschaftspolitisch) zu Tage fördern. Was in den ersten Sekunden tatsächlich noch theatralisch klingt, erwesit sich mit Fortlauf der Zeit als akzeptierter, weil wie selbstverständlich angehäufter Abraum der Sprache. Zumindest da ist sich Behrens Quartett im Einklang: Wo alles gesagt wird, gibt es für den anderen nichts mehr zu sehen - und Erkenntnis ist das letzte, was in diesem Miteinander erwünscht wird. Hans, Ludwig, Georg und Undine wären große Karrieren bei Medien beschieden - Andreas Anke, Klaus Müller-Beck, Christian Higer und Natalie Forester tun uns allen ein Gefallen, indem sie auf der Bühne bleiben. ..."
 Julie, Traum und Rausch    Wolfgang Maria Bauer
 Inszenierung Corinna Preisberg / am Mainfrankentheater Würzburg 2006
Mainpost | 5.März 2006
 Ein Geschlechterkampf auf Leben und Tod
 Von  Eva Werner
"... Andreas Anke zeigt viel Wandlungsfähigkeit, wenn er als Jean, stets hin- und hergerissen von Zukunftstraum und Leidenschaft, über die Bühne stürmt. ..."
 Psychose 4.48   Sarah Kane
 Inszenierung Bernhzard Stengele / am Mainfrankentheater Würzburg 2006
Mainpost | 12. Juni 2006
 Wenn Theater abstößt und schmerzt
 Von Torsten Maier
"... Und auch, um die grandiose Leistung der drei Schauspieler Natalie Forester, Andreas Anke und Christian Higer zu erleben, die sich diesem Wahnsinn bis zur letzten Sekunde hingeben. ..."
nummer 18 | Juli-August 2004
 Welt in Scherben
 von Manfred Kunz
"... Übermenschliches leisten die drei Darsteller. Sie geben den Bewußtseinsströmen Kontur und bleiben doch ungreifbar. Im Wechsel von Anspannung und Entspannung durchleben und durchleiden ihre Körper den Text und bewahren dennoch Distanz zu ihm. Dichte, hoch konzentrierte Bewegung einerseits, intensive, statische Körperlichkeit anderseits sind die darstellerischen Ausdrucksformen, die Stengele dem Trio über 75 Minuten in höchster Intensität abverlangt. Natalie Forester, Andreas Anke und Christian Higer meistern das in bewundernswerter Konsequenz und Eindringlichkeit. Und sie zelebrieren darüber hinaus die poetischen Momente mit einer gelassen-heiteren Spielfreude, die noch mehr Staunen macht. ..."
 Macbeth   William Shakespeare
 Inszenierung Nada Kokotovic / am Mainfrankentheater Würzburg 2005
nummer 6 | juni 2005
 Willhelm Tell    Friedrich Schiller
 Inszenierung Bernhard Stengele | Mainfrankentheater Würzburg 2004

 Klamms Krieg    Kai Hensel
 Monolog | Mainfrankentheater Würzburg 2005-2008
 Main-Post, Juni 2008
 Klamms Krieg im Klassenzimmer
"... Eine Schulstunde lang dauert das Ein-Mann-Stück „Klamms Krieg“, das der Schauspieler Andreas Anke für die Klasse aufführt. Das Stück von Kai Hensel handelt von dem Lehrer Klamm, dem seine Schüler den Krieg erklärt haben. Der komplette Deutschkurs verweigert jegliche Zusammenarbeit, denn er macht den Lehrer für den Selbstmord eines Schülers verantwortlich. Klamm hat ihm den fehlenden Punkt fürs Abitur nicht gegeben.
Und während die Klasse schweigt, steigert sich ihr Lehrer immer mehr in diesen Krieg herein. Er beleidigt seine Schüler, erniedrigt sie, versucht sich bei ihnen einzuschmeicheln, tobt, trinkt, brüllt, verhandelt – und offenbart dabei doch nur immer wieder seine Unfähigkeit und Bösartigkeit.
Ein krasses Stück. Vor allem, weil sich der Schauspieler während der Aufführung ein paar Schüler aussucht, die er direkt anspricht, anschreit, beleidigt. So eindringlich erlebt man als Zuschauer Theater nur selten. „Durch das direkt angesprochen werden, konnte man sich in die Schüler hineinversetzen“, so eine Schülerin.
Nach der Aufführung diskutiert die Klasse noch mit dem Schauspieler Andreas Anke und der Theaterpädagogin Elisabeth Strauß über das Stück, über Machtverhältnisse an der Schule, über ideale Lehrer und ideale Schüler. Und am Ende sind alle froh, dass sie keinen Klamm als Lehrer haben. ..."
 Drei Schwestern Anton Tschechow
 Inszenierung Margit Rogall | Mainfrankentheater Würzburg 2004
Mainpost, 14. Mai 2004

 Das wenig Komische macht das Tragische nicht leichter
 
Würzburg - Sie verklären die Vergangenheit, träumen von einer besseren Zukunft und merken nicht, dass die Gegenwart an ihnen vorüberrauscht: "Die drei Schwestern" scheitern auch auf der Bühne des Mainfranken Theaters an ihren Illusionen - in einer beeindruckenden wie beklemmenden Inszenierung von Gastregisseurin Margit Rogall.
 
"Gebt den drei Schwestern Fahrkarten, und das Stück ist vorbei", äußerte einst Ossip Mandelstam über das Stück seines älteren Zeitgenossen Anton Tschechow (1860 - 1904). Der russische Dichter war wohl etwas genervt von den Schwestern Prosorow, von Olga, Mascha und Irina. Vor allem über ihr jahrelanges ständiges Sehnen an einen Ort, der ihnen als Paradies erscheint: Moskau. Nur dort, wo sie aufgewachsen sind, würde ihr Leben glücklich werden. Doch seit elf Jahren verharren sie in der ungeliebten Provinzstadt, in der sie nie richtig angekommen sind.
Erstickender Schrei.

Fällt in Gegenwart der drei Schwestern der Name der Stadt oder kommt einer der Besucher im Hause Prosorow womöglich aus Moskau, dann fliegen sie mit einem glückseligen Seufzer zu Boden - anfangs zumindest. Später kommt das Wort Moskau nur noch als erstickender Schrei aus ihrem Mund.

Sicher, gäbe man Olga, Mascha und Irina Fahrkarten, wäre das Stück viel früher zu Ende. Aber damit würde auch das, was Tschechow mit "Die drei Schwestern" sagen und zeigen wollte, ebenso in der Ferne verschwinden: wie durch Illusionen Menschen an ihrem Leben vorbeirauschen; der Widerspruch von Sehnsüchten und Wirklichkeit; die unsägliche Trägheit, die das Leben mancher stagnieren lässt: Sie agieren wie unter einer Glasglocke, aus der sie nicht herauskommen.

Mit dieser melancholischen Stimmung entlässt Margit Rogall in ihrer Inszenierung ihr Publikum im Mainfranken Theater. Eine allzu kurze Probenzeit hat die Regisseurin vor der Premiere beklagt, unvorhergesehene Schwierigkeiten hätten zudem an den Nerven gezerrt. Aber für die Schauspieler und ihr Engagement hatte sie nur lobende Worte. Und das Ensemble präsentiert in eindringlicher, oft beklemmender Weise die Welt der Schwestern. Es taucht tief ein in die Seelenschau Tschechows, zeigt das Dilemma in teilweise absurden Szenen.Das wenig Komische macht das Tragische nicht leichter
 
Würzburg Sie verklären die Vergangenheit, träumen von einer besseren Zukunft und merken nicht, dass die Gegenwart an ihnen vorüberrauscht: "Die drei Schwestern" scheitern auch auf der Bühne des Mainfranken Theaters an ihren Illusionen - in einer beeindruckenden wie beklemmenden Inszenierung von Gastregisseurin Margit Rogall.
 
"Gebt den drei Schwestern Fahrkarten, und das Stück ist vorbei", äußerte einst Ossip Mandelstam über das Stück seines älteren Zeitgenossen Anton Tschechow (1860 - 1904). Der russische Dichter war wohl etwas genervt von den Schwestern Prosorow, von Olga, Mascha und Irina. Vor allem über ihr jahrelanges ständiges Sehnen an einen Ort, der ihnen als Paradies erscheint: Moskau. Nur dort, wo sie aufgewachsen sind, würde ihr Leben glücklich werden. Doch seit elf Jahren verharren sie in der ungeliebten Provinzstadt, in der sie nie richtig angekommen sind.
Erstickender Schrei

Fällt in Gegenwart der drei Schwestern der Name der Stadt oder kommt einer der Besucher im Hause Prosorow womöglich aus Moskau, dann fliegen sie mit einem glückseligen Seufzer zu Boden - anfangs zumindest. Später kommt das Wort Moskau nur noch als erstickender Schrei aus ihrem Mund.

Sicher, gäbe man Olga, Mascha und Irina Fahrkarten, wäre das Stück viel früher zu Ende. Aber damit würde auch das, was Tschechow mit "Die drei Schwestern" sagen und zeigen wollte, ebenso in der Ferne verschwinden: wie durch Illusionen Menschen an ihrem Leben vorbeirauschen; der Widerspruch von Sehnsüchten und Wirklichkeit; die unsägliche Trägheit, die das Leben mancher stagnieren lässt: Sie agieren wie unter einer Glasglocke, aus der sie nicht herauskommen.

Mit dieser melancholischen Stimmung entlässt Margit Rogall in ihrer Inszenierung ihr Publikum im Mainfranken Theater. Eine allzu kurze Probenzeit hat die Regisseurin vor der Premiere beklagt, unvorhergesehene Schwierigkeiten hätten zudem an den Nerven gezerrt. Aber für die Schauspieler und ihr Engagement hatte sie nur lobende Worte. Und das Ensemble präsentiert in eindringlicher, oft beklemmender Weise die Welt der Schwestern. Es taucht tief ein in die Seelenschau Tschechows, zeigt das Dilemma in teilweise absurden Szenen.

Ein Wartesaal im Nirgendwo

Dabei unterstützt sie auch das trostlos wirkende Bühnenbild von Gunter Bahnmüller: Das Haus Prosorow wirkt wie eine der vielen farblosen tristen Bahnhofsvorhallen entlang der Transsibirischen Eisenbahn - ein Wartesaal im Nirgendwo.

Früher war mehr Leben im Haus. Doch seit der Vater tot ist, kommen nur noch wenige Gäste, auch zum Namenstag der jüngsten Schwester Irina (Anna Dörnte): dazu gehören der eh im Haus lebende Militärarzt (Max de Nil), der die Zeit mit Zeitunglesen totschlägt, der in Irina verliebte Leutnant Baron Tusenbach (Timo Klein), der seltsame Stabshauptmann Soljony (Nils Liebscher), der Irina ebenfalls begehrt, und der neue und gerne über die Zukunft philosophierende Batteriechef Werschinin (Hans Matthias Fuchs). In diesen verliebt sich Mascha (Simone Ascher), die unglücklich mit dem spießbürgerlichen Lehrer Kulygin (Knud Fehlauer) verheiratet ist. Die älteste Schwester, Olga (Angelika Zielcke), ist eine ständig von ihrem Beruf überforderte und von Kopfschmerzen geplagte Lehrerin. Sie würde gerne heiraten, auch wenn sie den Mann nicht liebte.

Kein überflüssiger Schnickschnack

Doch zuerst heiratet der Bruder der Schwestern, Andrej (Andreas Anke). Aus den Plänen, Professor in Moskau zu werden, wird nichts. Seine Frau Natalja (Katharina Weithaler), zuerst belächelt von den verwöhnten und gebildeten Schwestern, nimmt in ihrer direkten Art immer mehr Raum ein im Haus, fasst den tauben Diener Anton (Christian Manuel Oliveira in einer von Rogall erfundenen Rolle) nicht gerade mit Samthandschuhen an. Sie ist die einzige, die in der Gegenwart lebt, die am Ende weiß, wo ihr Platz ist.

Tschechow sieht sein Stück als Komödie. Aber das wenig Komische macht das Tragische nicht leichter. Die Regisseurin spielt mit Überzeichnungen, das sorgt für Gelächter im Publikum: etwa, als sich Natalja unpassend mit einem Bauchtanz in die Familie einführt. Das pralle, bodenständige Leben gegen die Künstlichkeit der oft ins Weinerliche verfallenden oder zuweilen übertrieben kichernden Schwestern.

Rogalls Inszenierung ist ohne überflüssigen Schnickschnack. Zwei Rollen hat sie gestrichen. Das Stück spielt zwar in Russland, ist aber nicht geografisch orientiert, auch nicht in der Sprache. Es wirkt zeitlos.
Die Jahre vergehen. Immer mehr zeigt sich das Elend ihres Lebens. Nie werden die drei Schwestern nach Moskau fahren - auch nicht mit Fahrkarte.

 
Von Christine Jeske

© Andreas Anke 2014  |  Impressum